Erstwähler:

Die PDS-Jugend zieht (es) aufs Wasser

»MS socialist« legt ab zur Ost-West-Elbtour

Neues Deutschland vom 12. Juli 2002

Von Richard Claus

Wahlkampf ist eine Knochenarbeit! In jeder Partei-Kampa hört man derzeit das Stimmensammler-Stöhnen. Die PDS-Jugend tritt die Flucht nach vorn an: Ab auf die Elbe!

Ist nix mit Anmustern, lästerte ein Besatzungsmitglied, als der „altgediente“ Parteitross (in kleiner Urlaubsbesetzung) gestern zur Schiffstaufe an die Weidendammer Brücke in Berlin kam. PDS-Partei- und Fraktionsvizechefin Petra Pau erbat Erlaubnis, an Bord kommen zu dürfen, an Deck sonnte sich bereits Fraktionskollege und Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Am Ufergeländer sammelten sich allerlei ortsgebundene „Neider“. Die bei einer Schiffstaufe üblichen Wünsche flogen hinüber. Ungeklärt blieb lediglich, ob man die obligatorische „Handbreit Wasser unterm Kiel“ mit flacher oder aufwärts gerichteter Hand andeutet. Realistisch einigte man sich darauf, dass es für eine kleine und dazu sozialistisch orientierte Partei wichtig ist, das Wasser nicht bis zum Hals reichen zu lassen.

Die Taufe selbst war kurz. Man duschte in Sekt. Derlei Übermut hat man wohl von Formel-I-Strecken abgeguckt. Auch dort dominiert ja derzeit rot... wenngleich die Ferrari-Farben etwas strahlender wirken, als das PDS-Rot der bordeigenen Sonnenschirme und Crew-T-Shirts. Dafür braucht niemand an Bord der „MS socialist“ – so heißt der Kahn seit gestern – Furcht vor ungerechter Stallregie zu haben.

Die Jugendwahlkämpfer an Bord werden „nicht in althergebrachten Ost-West-Denkschablonen verharren“, meinte PDS-Jugendwahlkampfchef Dominic Heilig. Schließlich sind die Probleme, die Jugendliche in Deutschland rechts wie links der Elbe „frusten“, ziemlich gleich. Wie man die Probleme im und außerhalb des Parlaments angehen kann, soll Gegenstand von Diskussionen mit und ohne „Promis“ an gut einem Dutzend Anlegestellen sein. Dazu gibt es allerei Kulturelles und Sport.

Die vom 15. Juli bis zum 6. August dauernde Elb-Tour ist Teil der PDS-Erstwählerkampagne. In den neuen Ländern hofft man laut Wahlkampfchef Bartsch auf 25 Prozent der Erstwählerstimmen, in den alten will man immerhin fünf Prozent mobilisieren. Vier, fünf, vielleicht sechs Kandidaten unter 30 hat die PDS „auf aussichtsreichen Listenplätzen“ zur Abstimmung gestellt und so könnte es plötzlich sein, dass Angela Marquardt, zumeist als Bundestagsvorzeige-Jugendliche zitiert, trotz bunter Haarstacheln und Tattoo, zu den älteren Abgeordneten gerechnet wird. „Leichtmatrose“ Marquardt wurde übrigens eine besondere Rolle zugedacht – sie wird das Logbuch der Elbtour führen – demnächst nachzulesen unter www. pds2002.de
 

 

 

12.7.2002
www.petra-pau.de

 

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